Peter
alias James "Pond"
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Heldmotoren in Haid fliegen- darunter stellte ich mir einen eher kleinen Kreis vor, zumal es ja auf einen Tag begrenzt war. Umso angenehmer überraschte mich, wieviele Raketeure schließlich nach Haid gekommen waren. Wir wurden mit strahlender Sonne, kaum Wind und bester Stimmung belohnt. Ich weiß nicht, wann zuletzt soviele Held 5000 auf einmal abgebrannt wurden- als Einzelantriebe, Bündelungen oder in Stufenraketen. Die Legende lebt! Ich bin sicher, da gibts von anderer Seite noch allerhand Info. Mein Thema ist etwas spezieller.
Ganz unauffällig mischte sich eine schlichte Papprakete mit Held 5000 Antrieb unter die übrigen Flüge, der man nicht gleich ansah, daß sie eine besondere Nutzlast beförderte: den neuen Höhenmesser! Der trat heute zu seinem Jungfernflug an, damit wir ihn erstmals unter Einsatzbedingungen testen konnten. Am Ende war er zweimal geflogen, und wir hatten zwei Datensätze im Computer, ein voller Erfolg- und erst der Anfang. Der Erfolg hat einen Namen: Winfried Seitz aus Augsburg, denn er ist der Entwickler dieses Höhenmessers.
Was darf man sich unter dem Höhenmesser vorstellen? Es ist eine kleine, kompakte Elektronik, zweiseitig bestückt, SMD, unter dem Mikroskop gelötet. Wer gelegentlich mal einen Lötkolben zur Hand nimmt oder auch mal eine Timerschaltung entworfen hat, der ahnt, daß sich dieses Ding in einer ganz anderen Liga bewegt. Kernstück ist natürlich ein Mikroprozessor, verbunden mit einem barometrischen Sensor.
Was tut der Höhenmesser? Er fliegt in der Rakete mit und speichert unterwegs die gemessenen Höhenwerte. Diese Daten kann man nach der Landung über jede serielle Schnittstelle auslesen, z.B. am PC. Zusätzlich kann man zwei Bergungssysteme auslösen, also z.B. Vorfallschirm und Hauptfallschirm. Eines der beiden Auswurfsignal wird automatisch kurz nach dem Gipfelpunkt ausgelöst, das zweite Auswurfsignal ist zeitgesteuert und der Auslösezeitpunkt kann vom Benutzer vorher festgelegt werden. Übrigens gibt es weitere Parameter, die man vor dem Start via PC einstellen kann, das will ich hier aber nicht vertiefen.
Nun ist nicht nur die elektronische Hardware vom feinsten, sondern auch die Firmware, also die Logik, die den Mikroprozessor steuert. Das heißt für den Anwender: einfachste Bedienung. Vor dem Start muß der Höhenmesser eingeschaltet werden, jawohl, aber das war es dann auch schon wieder. Er registriert den Start selbständig, ohne irgendwelche Quecksilberschalter und was es da so geben mag. Und natürlich erkennt er auch den Gipfelpunkt.
Dementsprechend hat der Höhenmesser zwei wesentliche Einsatzgebiete: einerseits der Modellsport, wo man die erreichte Gipfelhöhe wissen möchte. Da ist der gespeicherte Datensatz nebensächlich, folglich kann man sich mit einem schlichten Knopfdruck in der Auswertesoftware direkt die erzielte Gipfelhöhe anzeigen lassen. Der andere Bereich sind die Experimentalraketen, wo man typischerweise an gemessenen Daten interessiert ist, und wo man für Antriebe wie den BC 360 ja auch eine Elektronik benötigt, die den Fallschirm auswirft. Dementsprechend begann der neue Höhenmesser ursprünglich als Konzept für die nächste Generation Bordcomputer in Experimentalraketen, bis die Ramog im Frühjahr das Thema "elektronische Höhenmessung für Sportraketen" aufbrachte.
Der Höhenmesser hat aber noch eine ganz andere Bedeutung: er zeigt, was in unserer Raketenszene steckt, wenn wir aktiv werden und Entwicklungsarbeit leisten statt immer nur wie hypnotisiert auf irgendwelche Fixpunkte jenseits großer Teiche und Berge zu starren. Der Höhenmesser ist jedenfalls, zurückhaltend formuliert, international konkurrenzfähig.
Wie gehts weiter? Wir werden den Prototypen noch ausgiebig testen, danach werden wohl einige Exemplare für den Sportbetrieb der Ramog gebaut und natürlich werden wir damit neue Experimentalraketen ausrüsten.
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Herbert
Epoxy-Meister

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Hallo Peter,
ich gebe Dir vollkommen recht in Deiner Ansicht, dass das Hans-Held-Gedächtnisfliegen genauso wurde, wie ich es mir gewünscht hatte. Unter den Kreis der ca. 30 Aktiven und etwa doppelt so vielen Zuschauern auf "historischem" Platz hörte ich von keinem, dem es nicht gefallen hätte. Es zeigte auch, dass man mit den manchmal geschmähten Held-Motoren doch wesentlich mehr machen kann, als viele erwarten.
Den kleinen aber feinen und total unauffälligen i - Punkt habt aber Ihr beide der Veranstaltung aufgesetzt mit den beiden Erprobungsflügen des neuentwickelten Höhenmessers. Winfried hat da ein kleines Wunderwerk unter dem Mikroskop geschaffen und auch Du solltest Dein Licht, bzw. Deinen Anteil daran nicht ganz unter den Scheffel stellen. Winfried hat mir gestern selbst gesagt, dass es ohne Deine Unterstützung und Deine ständige Aufmunterung nichts geworden wäre.
Auf jeden Fall möchte ich Euch beiden ganz herzlich gratulieren und danken für die großartige Arbeit, die Euch beiden gelungen ist.
Ich hoffe doch ,dass man gelegentlich ein Bild von dem kleinen Gerätchen in Streichholzbriefchengröße im Forum zu sehen bekommt.
Herbert
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Tom
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Hier das gewünschte Bild : Peter, Winfried - grossartige Arbeit ! Tom
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Achim
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Zitat: Original geschrieben von Tom
Peter, Winfried - grossartige Arbeit !
Tom
Dem kann ich mich nur anschliessen. Ein perfekt geäzter Print, sauber und übersichtlich. Ein Höhenmesser ist nicht nur für Sport und Experimentalraketen sinnvoll, sondern auch für den ganz normalen Freizeitflieger, der grössere Raketen starten möchte. Es wäre alsi sehr schade, wenn dieses Projekt in der Schublade verschwinden , oder sein Dasein nur in Sportraketen fristen würde. Also schon jetzt Gedanken machen über evtl. Produktions-und Vertriebswege. Gruß, Achim
Der größte Feind des Erfolges ist die Perfektion
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Oliver Arend
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Wie groß ist er? (sieht im Bild wie 30x80 mm aus - leicht zu erkennen im Vergleich zum Heck eines "Traktors") Stromversorgung? Gewicht? Preis? Warum das zweite Ereignis per Timer auslösen und nicht bei einer bestimmten Höhe (z.B. 100 m)? Oder gar ein drittes Event per Timer - z.B. Flugcomputer für zweite Stufe: Zündung des eigenen Motors, Vorauswurf und Hauptauswurf
Ich hab nun leider schon zwei Höhenmesser, wichtig wird also vor allem das Kriterium Preis.
Oliver
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Erwin Behner
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Keine Sorge Achim! Wir (Winfrid, Peter, Josef und ich) haben uns in Haid bereits darüber unterhalten, daß die RMT den Höhenmesser, nach Abschluß letzter Feinarbeiten wollen, vertreiben wird. Vorbestellungen sind schon möglich.  An dieser Stelle auch von meiner Seite den herzlichen Dank an Peter und Winfried für die wirklich ausgezeichnete Arbeit! Besonders wenn man bedenkt, daß die erstmalige Verbindung von Elektronik und PC erst in Haid erfolgen konnte. Ein vorheriges Testen war also nicht möglich war und trotzdem funktionierte alles auf Anhieb. Einfach Grandios!
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Peter
alias James "Pond"
Moderator

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Zitat: Original geschrieben von Oliver Arend Wie groß ist er? (sieht im Bild wie 30x80 mm aus - leicht zu erkennen im Vergleich zum Heck eines "Traktors") Stromversorgung? Gewicht? Preis? Warum das zweite Ereignis per Timer auslösen und nicht bei einer bestimmten Höhe (z.B. 100 m)? Oder gar ein drittes Event per Timer - z.B. Flugcomputer für zweite Stufe: Zündung des eigenen Motors, Vorauswurf und Hauptauswurf
Ich hab nun leider schon zwei Höhenmesser, wichtig wird also vor allem das Kriterium Preis.
Oliver
Das sind alles gute Anregungen, und im Prinzip ist das auch umsetzbar. Der historische Grund für den reinen Timer war die Vorstellung, man müßte eine Sicherheitslinie einbauen, die vom Höhensensor unabhängig ist. Das muß nicht so bleiben. Überhaupt kann ich nur dazu einladen, das Forum zu nutzen und hier Wünsche und Anregungen vorzubringen. Was davon machbar ist hat durchaus Chancen, ins Endprodukt einzugehen, das wird Winfried im einzelnen kommentieren, denke ich. Denn es ist seine Entwicklung, muß ich nochmal betonen, das bischen Auswertesoftware von meiner Seite ist für solche Fragen unerheblich. Ein Preis ist noch völlig unklar. Die Entwicklung geschah aus ideellen Gründen ganz ohne kommerzielle Absicht. Wenn sich aber die Ramog wie vorgesehen in die Produktion mit reinhängt, dann kann man ja mehrere Teile bauen.
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Oliver Arend
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Wenn dann auch wirklich ein Flugcomputer, wie ich ihn beschrieben habe, also drei (vier) Ereignisse + Datenlogging: (- selbstständige Starterkennung) - Auslösung eines Ereignisses x Sekunden nach dem Start (z.B. 0..60): Airstart oder Fotos - Auslösung eines Ereignisses am Gipfelpunkt: Vorfallschirm und ggf. ein Foto (is ja alles möglich) - Auslösung eines Ereignisses bei einstellbarer Höhe (100, 150, 200, 250 m o.ä.): Hauptfallschirm
bei herauskommt, wäre ich bereit 150-200 Mark auszugeben. Problem wäre nur noch, dass er wohl als Bausatz angeboten wird?
Ich glaube, diese Ereignisse müssten für die meisten ausreichen, es sei denn irgendjemand möchte noch ein Timerereignis oder so...
Oliver
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Winfried
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Hallo Alle, anbei einige Daten zum Bordcomputer/Altimeter. Gruß Winfried  Anhang: altimeter.txt
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Stefan Wimmer
Grand Master of Rocketry
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Hallo,
gratuliere zum erfolgreichen Starttag!
Dem ersten Beitrag entnehme ich, daß ihr nun über einen Höhenmesser mit wettbewerbstauglicher Auflösung (und vor allem Genauigkeit) verfügt (der Sport-Einsatz wird ja extra erwähnt) - und schließe daraus, daß ich die Weiterentwicklung des früher hier im Forum diskutierten Präzisions-Höhenmessers nun einstellen kann (ich hatte eh' noch ein paar Probleme, mit der Genauigkeit über Streuung und Temperaur zuverlässig unter ein paar% zu kommen - die Auflösung ist derzeit ca. 30cm). Aber ist die Schaltung für den Wettkampf nicht etwas zu groß und/oder schwer? Die Wettbewerbsflieger hadern doch normalerweise mit jedem einzelnen Gramm...
It's the Government - it doesn't have to make sense! (B. Kaplow in r.m.r)
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